Glaus Alfred

Auf die Romantiker übten sie eine grosse Faszination aus, und mit Ferdinand Hodler haben sie in der Kunst der Moderne ihre besondere Ausprägung erhalten: die Berge. Kaum einer aber hat sie so konsequent zu seinem Leitmotiv gemacht wie der Maler und Grafiker Alfred Glaus. Von den frühen Bildern zu Beginn der 1910er-Jahre bis ins Spätwerk ist sein Œuvre imposanten Bergmassiven und Felsbrocken gewidmet.

Es sind zunächst vor allem die Silhouetten bekannter Gipfel, die der Künstler «porträtiert» – darunter viele aus dem Berner Oberland, also aus seiner näheren Umgebung. Spätestens ab den 1940er-Jahren verraten seine Werke ein zunehmendes Interesse an einzelnen Gesteinsformationen, womit die Bildkompositionen kleinere Ausschnitte der Bergwelt wiedergeben. Das Schwarzhorn aus der Mobiliar-Kunstsammlung vereint beide Motivstränge in einem Gemälde. Über die Jahre hinweg bleibt Glaus’ Farbpalette sanft bis düster, dominiert von Blau, Braun und erdigem Grün. Seine Darstellungsweise kennt unterschiedliche Gradationsstufen zwischen Naturalismus und Abstraktion, wobei die Schneescholle als Beispiel für eines seiner stärker abstrahierten Bilder genannt werden kann. Komplette Stilisierung und damit auch Distanzierung vom realen Vorbild sind Glaus fremd: Er malt die Berge und Felsen in all ihren geheimnisvollen, erhabenen Erscheinungsformen und zeigt sich damit als den Künstler der Romantik im Geiste verbunden.

Alfred Glaus prägte die Schweizer Kunstgeschichte vor allem als Mitinitiator und erster Präsident des Kunstmuseums Thun, das 1948 im «Thunerhof » eröffnet wurde. Damals noch «Kunstsammlung der Stadt Thun» genannt, befindet sich die Institution bis heute in dem ehemaligen Grand Hotel und besitzt Glaus’ gesamtes lithografisches Werk, sein Frühwerk und weitere Schlüsselwerke.

 

Alfred Glaus wurde 1890 im Bernischen Schwarzenburg (CHE) geboren; er starb 1971 in Thun (CHE).

Tätigkeitsbereiche: Malerei, Grafik